Tageslosung  

Tageslosung von Mittwoch, 26. Juli 2017
Lobet Gott in den Versammlungen.
Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.
   

Geschichte der Kirchengemeinde Delling

Ein Wort zuvor

Eine kleine Kirche, gelegen inmitten eines grünen Tales, Fachwerkhäuser, Pferde, die ausgelassen tollen oder in Ruhe grasen, ... als weltentrückte Idylle stellt sich das Fleckchen Delling heute dar, wie einem Märchen entsprungen.

Und doch war es eine gar nicht immer märchenhafte Geschichte, die das entstehen ließ, was wir heute hier sehen und, wie ich hoffe, auch in Ruhe genießen können.

Am Anfang der kleinen evangelischen Gemeinde stand der Streit. Streit zwischen den Konfessionen um den wahren Weg des Glaubens, verquickt mit den Streitigkeiten der Fürsten und Gewaltigen um die Macht über die Seelen und die Güter dieser Welt. Der Streit der Konfessionen, er ist vorüber, Gott sei Dank. Das, was aus einer Wurzel spross, die katholische Gemeinde zu Olpe und die evangelische zu Delling, sie haben zu neuer Geschwisterlichkeit gefunden.

Viele Vorgänge der Vergangenheit erscheinen uns heute als völlig unbegreiflich, doch die Geschichte will uns lehren, wie anfällig wir immer wieder für Intoleranz und Unvernunft sind, wenn uns nur etwas begegnet, was wir nicht verstehen wollen und sollen.

Viel Freude bei dieser Betrachtung und vor allem auch im Erwandern des schönen Bergischen Landes wünscht Ihnen

Pfarrer Ralph Knapp

 

Der Anfang

Der fruchtbaren Rheinebene benachbart, war das Bergische Land, dessen Schönheit wir heute so bewundern, bitter arm. Nicht zuletzt verdankt diese Landschaft einen Gutteil ihres Reizes dieser Armut, unter der die Menschen der vergangenen Jahrhunderte litten und die nur kleine Siedlungen entstehen ließ. „Haferspanien" nannte man dieses Gebiet nach der einzigen Getreidesorte, die im nassen Bergischen gedieh. Tatsächlich ist der Niederschlag hier aufgrund des Höhenanstiegs der Landschaft beträchtlich. Entsprechend war die Bevölkerung bis ins letzte Jahrhundert schlecht ernährt und die Lebenserwartung war niedrig bei hoher Säuglingssterblichkeit.

Wen wundert's, dass unser Gebiet, obwohl in unmittelbarer Nähe der berühmten römischen Gründung Köln gelegen, ein kulturelles Schattendasein führte.

So finden wir in den Annalen erst um 1171 eine Erwähnung, die auf die Existenz der Ortschaft Olpe schließen lässt.

 

Lehnsherren und Abhängige

Von dieser Ortschaft Olpe aus, die etwa 1 Km Luftlinie von Delling entfernt liegt, erfolgte die Besiedelung der umliegenden Gebiete. Hier residierte in einer Burg der Lehnsherr über dieses Gebiet. Natürlich bewirtschaftete er das Land nicht ausschließlich selbst, sondern er gab die etwa 80 Höfe der Umgebung als „Lehn" an Bauern, die im Gegenzug den 10. Teil des von Ihnen erwirtschafteten Erlöses an ihn abtreten mussten (der sog. Zehnt) und zudem zu Diensten in den Gütern des Lehnsherren verpflichtet waren (Frondienst). Wie sehr die Bauern dadurch in Abhängigkeit des Lehnsherren standen, wird noch besonders dadurch unterstrichen, dass er neben der wirtschaftlichen Macht auch die Rechtshoheit innehatte und oberster Richter in seinem Herrschaftsgebiet war.

 

Der Hof Delling wird freiadelig

Einer der lehnsabhängigen Bauernhöfe war die sogenannte „vordere" Delling, der Teil von Delling, der sich diesseits des Olpebaches befindet. Der Hof befand sich etwa an dem Ort, wo heute das Restaurant „In der Delling" zum Verweilen einlädt.

Aus der Lehnsabhängigkeit wurde dieser Hof entlassen, als er als Mitgift einer Tochter des Olpener Lehnsherren zufiel. Damit war Delling von Abgaben und Frondiensten frei und die Gutsherren brachten es - ausgestattet mit einigen Privilegien - zu bescheidenem Wohlstand, der den Bau eines repräsentativen Gutshauses, dem heutigen alten Pastorat, unserem Gemeindehaus, möglich machte.

 

Reformation in Olpe

Die Reformation, durch Martin Luther 1517 initiiert, hatte im Einflussgebiet des Erzbischofs von Köln kaum eine Chance. So starb in Köln mit dem Lehrer Adolf Clarenbach der erste Märtyrer der evangelischen Kirche. Auch ein Versuch des Erzbischofs Hermann von Wied, Kurköln der Reformation zuzuführen musste am entschiedenen Widerstand des Kaisers scheitern. Auch die Versuche des Herzogs von Berg, der zur Zeit der Reformation der mächtigste Fürst im Westen des Deutschen Reiches war, sich der Reformation zu nähern, wurde durch den Kaiser, dem der Herzog von Kleve, Jülich, Berg und Mark im Gelderner Erbfolgekrieg unterlag, vereitelt. Entsprechend blühte das Pflänzchen Reformation in unserem Gebiet spät und leider nicht sehr kräftig.

1582 entschloss sich der Olpener Lehnsherr, evangelisch zu werden, das heißt, als Patron der Gemeinde in Olpe bestellte er einen Pfarrer, der der Reformation zuzurechnen war. Für die Bevölkerung brachte das kaum eine Änderung, die Messe wurde jetzt lediglich auf deutsch gelesen und das Abendmahl in beiderlei Gestalt (d.h. mit Brot und Wein auch für die Gemeinde) gefeiert. Zudem hatte die Gemeinde, entsprechend den Gepflogenheiten dieser Zeit , keinerlei Mitspracherecht, was diese Veränderung anbelangte. Der politische Machthaber bestimmte den Bekenntnisstand seiner Untertanen.

 

Die Gegenreformation

Zur Zeit des 30-jährigen Krieges, der im Namen der Religion, tatsächlich jedoch im Interesse gesamtwesteuropäischer Machtinteressen ganze Landstriche entvölkerte, gelangte die sogenannte Gegenreformation auch in unserem Gebiet zu Einfluss.

Der Umstand, dass Pfarrer Deymel eigenmächtig die Gemeinde der reformierten Synode zugeführt hatte, wodurch der Schutz des Augsburger Religionsfriedens für die nunmehr reformierten Protestanten in Olpe hinfällig wurde, besiegelte das Schicksal des Protestantismus in Olpe. Der Lehnsherr berief einen altgläubigen Pfarrer und der evangelische Pfarrer samt seiner Frau wurden misshandelt und vertrieben. Evangelische Gottesdienste wurden verboten und reformierte Taufen mit Geldstrafen belegt.

 

Die illegale Gemeinde

In dieser Zeit wohnte in Delling der Junker von Moesbach, genannt Breidenbach. Er war in holländischen Kriegsdiensten evangelisch geworden und gestattete nun den 18-20 Personen, die im gesamten Kirchspiel Olpe nicht wieder zum katholischen Bekenntnis zurückkehren wollten, unter Geheimhaltung evangelische Gottesdienste in seinem Gutshaus zu feiern.

So überdauerte die kleine Schar ohne Pfarrer den 30-jährigen Krieg.

Nach dem Aussterben des Herzoghauses von Berg war das Herzogtum Jülich, Kleve, Berg und Mark Anfang des 17. Jahrhunderts gemeinsam an die Herzöge von Brandenburg und Pfalz - Neuburg gefallen. Die gemeinsame Regentschaft der sogenannten „Possidierenden" misslang jedoch, zumal Pfalz - Neuburg, ursprünglich ebenso wie Brandenburg evangelisch, wieder katholisch wurde. Man teilte also das Herrschaftsgebiet auf, wobei Berg, zu dem unser Gebiet gehört (daher der Name „Bergisches" Land, der sich nicht auf das Landschaftsprofil bezieht), dem katholischen Pfalz - Neuburg zufiel.

Erst mit der Einigung zwischen Pfalz - Neuburg und Brandenburg über den Umgang mit den Anhängern der jeweils anderen Konfession im ursprünglichen Herrschaftsgebiet von Jülich, Kleve, Berg und Mark im Jahr 1672 wurde es möglich, aus dem Status der geheimen Gemeinde aufzutauchen, denn Brandenburg hatte Schutzrechte über die Protestanten in Herrschaftsgebiet von Pfalz - Neuburg. So wurde das Ende der evangelischen Gemeinde in Olpe 1622 zur Geburtsstunde unserer Gemeinde in Delling.

 

Leben als Minderheit

Der nunmehr gesicherte politische Status hatte natürlich eine nur bedingte Erleichterung der Lebensumstände einer verschwindend kleinen Gemeinde in einem armen Land zur Folge.

Der Minderheitsstatus in einer Zeit, die den Toleranzgedanken noch nicht gedacht hatte, war schwierig zu leben, zumal es an Stellen zu Reibereien und Rivalitäten kam, die uns heute vielleicht lächerlich erscheinen mögen, aber im Denken dieser Zeit sehr schwerwiegend waren. Genannt sei nur ein prägnantes Beispiel:

In Deutschland hatte schon immer alles seine Ordnung und der romantische Gedanke, der manch einem von uns kommt, wenn er an seine letzte Ruhestätte im heimischen Garten oder in einer Urne auf dem Wohnzimmerschrank denkt, konnte in Deutschland in der Vergangenheit ebenso wenig Realität werden, wie er es heute kann.

Seine letzte Ruhe findet man in unserem Lande schon von Alters her an eigens dafür vorgesehenen Orten. Und einen solchen Ort nannte die evangelische Gemeinde in Delling nicht ihr Eigen. Damit war natürlich das Problem des Sterbens für die Gemeinde nicht erledigt, vielmehr wurde die Frage der letzten Ruhe damit geradezu brennend. Der Friedhof, auf dem die Protestanten allein ihre letzte Ruhe finden konnten, befand sich im Besitz der katholischen Gemeinde in Olpe. So kam es, dass jeder verstorbene Protestant vom katholischen Pfarrer von Olpe nach katholischem Ritus bestattet wurde - für die damalige Zeit ein unerträglicher Skandal. Die Folge war ein Jahrzehntelanger Friedhofsstreit mit allem, was dazu gehört, der Entwendung von Leichen, der Verweigerung der Zahlungen, Petitionen an die Obrigkeit und die brandenburgische Schutzmacht und - wie sollte es anders sein - Prozessen. Erst mit der Franzosenherrschaft erhielt die Gemeinde 1802 die Genehmigung, einen Friedhof anzulegen, auf dem die erste Bestattung 1805 vorgenommen wurde und der aus dem hinteren baumbestandenen Teil unseres Friedhofes bestand.

 

Die Besitzverhältnisse

Dass man einen Friedhof anlegen konnte, weist darauf hin, dass die evangelische Gemeinde inzwischen in Besitz des Grundes in Delling gelangt sein musste. Und tatsächlich, die Gelegenheit, das Gut Delling zu erwerben ergab sich um 1702. Die damalige Gutsbesitzerin fand für ihre Töchter im heiratsfähigen Alter in dieser bäuerlichen Umgebung nicht die rechte gute Partie, die ihr vorschwebte. Das Gut wollte sie darum verkaufen. Die evangelische Gemeinde hatte naturgemäß ein vitales Interesse am Erwerb. Aus eigener Kraft hätte die Gemeinde diese Last allerdings nicht zu tragen vermocht und man erhielt Unterstützung von wohlhabenderen Glaubensgeschwistern aus der weiteren Umgebung, so dass aus dem Gutshof Delling nun das Pastoralgut Delling werden konnte.

 

Die Personalfrage

Der Bestand einer christlichen Gemeinde hängt nicht allein am guten Willen und in Zeiten ohne Auto und Telekommunikation war die evangelische Unterweisung für den Fortbestand und das Selbstbewusstsein einer so kleinen Gemeinde Lebenswichtig. Man benötigte also zumindest einen Pfarrer, der diese Aufgabe und die Sorge um die Gottesdienst übernehmen konnte. Doch ein Pfarrer war teuer und diese arme Gemeinde konnte nur wenig bezahlen. Zudem nahm aber der Dienst in dieser extremen Diaspora einen Menschen über Gebühr in Anspruch. Alles musste zu Fuß bewältigt werden, vom Pfarrer wie der Gemeinde. Bei schmalem Salär und großer körperlicher Belastung bleiben viele Pfarrer nur kurze Zeit in Delling, vor allem das Wachsen der Familie machte das Auskommen hier unmöglich, so dass für viele Delling eher Sprungbrett und Durchgangsstation war. Es kam zu häufigen Wechseln und entsprechend zu häufigen Vakanzen, die dann durch die Pfarrer aus Dhünn aufgefangen wurden.

Aber nicht nur religiöse Bildung lag zu der Zeit in der Hand der Kirchen auch die Elementarbildung, das Schulwesen, war kirchliche Angelegenheit. Und so kam es, dass es in dieser armen Gemeinde trotz aller Widrigkeiten schon vor 1700 eine Schule gab. Das 1723 gebaute Schulhaus besteht noch heute, es ist das kleine Fachwerkhaus oberhalb des Alten Pastorates.

 

Altes Pastorat und neue Kirche

Das alte Pastorat - Mädchen für alles. Wohnhaus, Schulsaal und Kirche, all diese Funktionen vereinte dieses große, aber für unsere Begriffe heute kleine Haus. Wer hätte den Traum von einer eigenen Kirche zu träumen gewagt, war es doch schwierig genug, allein einen Friedhof anlegen zu können.

Doch das 19. Jahrhundert änderte alles. Vor allem die politischen Verhältnisse.

Nach der Niederlage Napoleons ordnet der Wiener Kongress die Machtverhältnisse in Deutschland neu. Das Herzogtum Berg verschwand, es entstand 1815 die preußische Rheinprovinz. Politisches Oberhaupt war nun der protestantische König von Preußen. Er betrieb eine protestantenfreundliche Politik, entsandte in erster Linie protestantische Beamte und Lehrer und begünstigte die evangelischen Gemeinden und Bauern auch finanziell.

Eine Folge war die Möglichkeit, in Delling eine Kirche zu bauen.

Durch die Förderung der Evangelischen war die kleine Gemeinde in Delling gewachsen, so dass der Kirchsaal zu klein wurde. Eine Schenkung des Königs machte den Neubau einer Kirche möglich, die nach einem preußischen „Einheitsbauplan" für Kirchen kleiner evangelischer Gemeinden realisiert werden sollte. Dieser Bauplan stammte von C.F. Thiele, einem Schinkelschüler und so entstand mitten im bäuerlichen Bergischen Land eine klassizistische Kirche.

1834 eingeweiht wurde alsbald ein Kirchturm ergänzt, da die Statik des Dachreiters, der die ursprüngliche Glocke trug, das Gebäude so in Mitleidenschaft zog, dass schon nach wenigen Jahren ein Deckenbalken in den Kirchraum stürzte.

Der im ganzen bescheidene Bau wurde im Jahr 1969 völlig erneuert und Details, die sich eine arme Gemeinde im 19. Jahrhundert nicht hatten leisten können, wurden ergänzt, so die Bemalungen der Kanzel, der Pinienzapfen und viele Details mehr. Vor allem erhielt die Kirche in diesen Jahren ihre dritte und bislang beste Orgel. Sie stammte aus dem Westerwald und war dort 1802 entstanden. Die Orgel ist also älter als die Kirche selbst und weist einige Besonderheiten auf, die die Orgel sehr kostbar, aber auch recht schwer zu spielen machen. Die Tatsache, dass sie um einen Halbton höher gestimmt ist als andere Orgeln machen das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten schwierig und verlangen dem Organisten einiges Vermögen im Transponieren ab.

 

Die Gemeinde Delling im 19. und 20. Jahrhundert

Die guten Erfahrungen, die die Gemeinde mit der preußischen Obrigkeit machte, prägten sie auf lange Sicht. Kaisertreue und deutsch-nationale Gesinnung waren die Folge. Im Gegensatz übrigens zum katholischen Umland, das, in Folge des sogenannten Kulturkampfes Bismarcks vor allem gegen den Einfluss der katholischen Kirche, die preußische Politik durchaus kritischer zu sehen in der Lage war.

Diese deutschnationale und obrigkeitsorientierte Gesinnung blieb der Gemeinde auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu eigen, so dass sie der nationalsozialistischen Propaganda fast vollständig erlag. Drei von vier Presbytern gehörten nach der Presbyterwahl 1934, die unter starker Einflussnahme der NSDAP stand, der nazitreuen „Glaubensbewegung Deutsche Christen" an.

Die Pfarrer der Gemeinde verweigerten sich jedoch dieser Entwicklung. Sie standen zur „Bekennenden Kirche", die sich strikt vom Führerkult absetzte und den geforderten bedingungslosen Gehorsam gegen den Führer als bekenntniswidrig ablehnten. Nicht einer historischen Bewegung habe man gehorsam zu leisten, sondern allein Jesus Christus als dem „Einen Wort Gottes".

Die Folgezeit war vom innergemeindlichen Konflikt geprägt. Der Kirchmeister zeigte gar den Pfarrer beim Generalstaatsanwalt in Köln wegen politischer Predigt an. Denn er hatte den Ausruf Hitlers anlässlich der Totenfeier zu Ehren Hindenburgs: „Toter Feldherr, geh ein in Wallhall" mit dem Worten bedacht, dass Christen ins Reich Gottes eingingen.

Weitere Anfeindungen führten schließlich dazu, dass der Pfarrer die Gemeinde nach wenigen Jahren verlassen musste. Aber auch sein Nachfolger war der Bekennenden Kirche treu, so dass die Teilnehmerinnen der Frauenhilfsstunden unter der Leitung der Pfarrfrau Angst haben mussten, bei der GESTAPO angeschwärzt zu werden.

1940 wurde der Pfarrer eingezogen und seine Frau leitete die Gemeinde nach Kräften weiter, so z.B. auch die Gottesdienste. Als ihr Mann ins Lazarett kam und auf Umwegen über Lindlar sogar ins Priesterseminar nach Bensberg, gab es nach Jahrhunderten erstmalig echte ökumenische Kontakte. Der katholische Dechant schlich sich nachts am Haus der Reichsfrauenschaftsführerin vorbei zum evangelischen Pfarrhaus, um der Pfarrfrau die neuesten Nachrichten von ihrem Mann zu bringen.

 

Flüchtlinge aus dem Osten

Das Ende des zweiten Weltkrieges brachte dann eine völlig neue Entwicklung. 1946 kamen Hunderte von evangelischen Flüchtlingen aus den ehemaligen Ostgebieten in unsere Gemeinde. Die meisten kamen unter der Leitung eines Lehrers aus dem niederschlesischen Giersdorf, so dass ein Drittel der Giersdorfer Bevölkerung Dellinger Gemeindeglieder wurden. Der Anfang war schwer, die Aufnahme nicht unbedingt herzlich. Doch durch ihren Fleiß verstanden es die Menschen aus dem Osten, hier heimisch zu werden, so dass unsere Gemeinde nicht unbeträchtlich von ihnen geprägt wurde. Der Bevölkerungszuwachs hatte zudem die Folge, dass die Gemeinde Mitte des 20. Jahrhunderts in zwei Gemeinden, die heutigen Gemeinden Delling und Lindlar, geteilt wurde.

Das Anwachsen der evangelischen Bevölkerung stellte noch einmal ganz eindringlich die Frage der Ökumene. Wo zuerst Abgrenzung gestanden hatte, so dass etwa die Kinder in der Schule streng getrennt waren, wuchs doch das Gegenseitige Kennenlernen und einander Verstehen. Ökumene entstand so weniger als ein intellektueller Prozess als vielmehr als eine Herzenssache. Das einander Verstehen bei aller Unterschiedlichkeit ließ die Gemeinden sich immer näher kommen. Dabei geht es nicht um das Verwischen von Unterschieden, sondern um das aneinander Lernen, so wie es Geschwister tun sollten.

 

Die jüngere Zeit

Die Zeit bleibt nicht stehen. Weitere Zuzüge machten den Bau zweier neuer Gemeindezentren im Gebiet der Gemeinde Delling in Biesfeld und Bechen notwendig. Zwei Pfarrer teilen sich mittlerweile die Arbeit in dieser größten Flächengemeinde des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch.

Und die Gemeinde wächst weiter. Menschen, die in der Stadt in Lohn und Brot stehen, verlegen mehr und mehr ihren Wohnsitz aufs Land. Viele Neubaugebiete sind entstanden und so ändert sich auch noch einmal die soziale Struktur der Gemeinde. Nur noch wenige Landwirte sind übrig geblieben. Das Leben wird immer mehr auch von städtischen Einflüssen geprägt und verändert sich zusehends. Der Kulturraum Großstadt wird immer größer und Chancen wie Probleme stellen auch unsere Gemeinde vor neue Herausforderungen.

Angesichts der Geschichte unserer Gemeinde kaum ein Grund zur Sorge, denn in ihrer Geschichte hat sich immer das Wort Gottes an Paulus bewährt: „Lasse dir an meiner Gnade genug sein, meine Macht ist in den Schwachen mächtig."