Tageslosung  

Tageslosung von Mittwoch, 26. Juli 2017
Lobet Gott in den Versammlungen.
Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.
   

Monatsspruch für Mai:

Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein
Tempel des Heiligen Geistes ist, der
in euch wohnt und den ihr von Gott
habt? Ihr gehört nicht euch selbst.
1.Kor 6,19

Liebe Gemeinde,

manchmal hat man ja den Eindruck, man müsse sich entschuldigen dafür, dass man glaubt, DIE RELIGION wird für alles Elend auf der Welt verantwortlich gemacht.



Islamischer Fundamentalismus steht da stellvertretend für den ganzen Rest, dem – und eben auch uns Christen – damit unterstellt wird, dass wir tief in unserem Herzen auch fundamentalistische Mörder sind. Aber ehrlich gesagt: Das ist schon mehr als eine Unverschämtheit!

Und wenn man mal auf die dezidiert atheistischen Regime schaut, die es bislang in der Welt gegeben hat, wie Pol Pot in Kambodscha, die Sowjetunion insbesondere unter der Herrschaft Josef Stalins, Nordkorea und der weiteren Beispiele mehr, kann man erkennen, dass diejenigen, die sich dem Geist des Atheismus religiös verschreiben, keineswegshumaner sind als extreme religiöse Bewegungen.

Nicht die Religion, nicht Glaube oder Unglaube macht den Unmenschen, sondern der Mensch, der glaubt ihm sei - aufgrund welcher Erkenntnis auch immer - alles erlaubt. Denn im Letzten stellt sich der religiöse Terrorist, der sich gern paradox „Gotteskrieger“ nennt, selbst an die Stelle Gottes, was umso leichter geht, desto weniger diese Position besetzt zu sein scheint. Er macht sich zum Herrn über Leben und Tod. Der Monatsspruch für Mai spricht vom Leib als dem Tempel des Heiligen Geistes und leistet damit etwas ganz Besonderes.

Der Leib des Menschen wird dadurch, dass er zum Tempel Gottes selbst ausersehen ist, nach antiker Auffassung selbst heilig, unantastbar. Und das ist er, unabhängig davon, ob der Geist Gottes nun aktuell in ihm wohnt. Der Geist Gottes ist souverän und nimmt sich nach christlicher Auffassung da Wohnung, wo er will. Durch diese Möglichkeit und durch das Ausersehensein des Leibes zum Tempel Gottes, wird jeder Mensch unantastbar, weil er von Gott auserwählt ist, den Tempel für den Heiligen Geist darzustellen. Der Mensch gehört damit nicht sich selbst, aber umgekehrt auch niemand anderem als Gott. Ihn zu schädigen, ihm Gewalt anzutun, unabhängig davon, was er glaubt und was er ist, ist Angriff auf Gott selbst.

Liebe Gemeinde, mag sein, dass Ihnen diese Ausführungen etwas verstiegen erscheinen. Mir geht es darum darzulegen, dass selbst in diesen altertümlichen Ausdrucksweisen die Tiefe der christlichen Humanität verwurzelt liegt. Die Wurzeln einer Menschenfreundlichkeit, der die Kirchen leider historisch allzu oft nicht gedient haben, die aber von Grund auf den inneren Kern des Glaubens ausmachen. Wer glaubt, einem Gott zu dienen, indem er andere Menschen mutwillig schädigt, verletzt, tötet, ist nichts anderes als ein Übeltäter, aber keineswegs ein Mensch, der wirklich religiös in Gott verankert ist.

Ein gesegnetes Frühjahr wünscht
Ihnen allen

Ihr Pfarrer Ralph Knapp